Der Paradiesweg – Ein Wanderweg auf den Spuren jüdischer Geschichte
Zur Geschichte des Weges
Jüdischer Friedhof im Eberner Paradies
Der „Paradiesweg“ verbindet Autenhausen mit der Stadt Ebern, speziell die jüdischen Friedhöfe der beiden Orte, deren israelitische Gemeinden bis ins frühe 20. Jahrhundert zum Distriktrabbinat Burgpreppach gehört hatten. Der Name des Wanderweges stammt von dem historischen Flurstück bei Ebern, auf dem der jüdische Friedhof liegt. Bereits 1430 nach einem Stadtbrand angelegt, wurde er 1633 von den Eberner Juden gekauft. 1
Die Grabsteine des jüdischen Friedhofs in Ebern sind im Frühjahr und Sommer von einem Meer aus Akelei, Skabiosen und Flockenblumen umgeben. Diese botanische Pracht und die besondere Lage im Wald macht ihn zu einem der stimmungsvollsten und malerischsten Friedhöfe der Region.
Besonders beeindruckend sind die ungewöhnlich ausführlichen Inschriften auf den Grabsteinen. Im Eberner Heimatmuseum liegen sie ins Deutsche übertragen in einer Broschüre vor. Sie sind ein wertvolles Zeugnis regionaler Geschichte und vermitteln ein Stück der persönlichen Lebenswege der Verstorbenen.
Der älteste erhaltene Eberner Stein gehört zum Grab der Autenhausener Jüdinnen Keile und ihrer Tochter Zippora, gestorben 1670 und 1671.2 Sie wurden dort beigesetzt, weil die hiesige Gemeinde wie etwa die in Altenstein, Memmelsdorf und Untermerzbach noch keine eigene Begräbnisstätte hatte.
1) Haus der Bayerischen Geschichte: Link: Friedhof Ebern
2) Stefan Rohrbacher: Steine auf dem Paradies (Eberner Heimatblätter 19), 2016.
Jüdisches Autenhausen
Keiles Ehemann Simcha (Simon) gehörte zur fünfköpfigen Gruppe jüdischer Viehhändler, denen der Langheimer Zisterzienser-Abt Alberich 1667 die Ansiedlung in Autenhausen gestattete.3 Fortan lebten über 250 Jahre lang Juden in Autenhausen. In der Mitte des 19.Jahrhunderts stellten sie rund ein Drittel der Einwohnerschaft.
Um 1900 wanderten viele Familien in größere Städte ab oder nach Übersee aus. Im November 1923 endete das jüdische Leben im Dorf: Unmittelbar nach einem pogromartigen Raubüberfall durch radikalisierte, rechtsextreme Gruppen aus dem Coburger Land flohen die beiden letzten jüdischen Familien Gutmann aus dem fränkischen Dorf.
3) Staatsarchiv Bamberg: Kloster Langheim Urkunde Nr. 1814, 1667.
Gemeindeeigene Friedhöfe
Ab 1832 mussten „aus Furcht vor der Cholera auf regierungsamtlichen Befehl … alle Judengemeinden ihre eigenen Begräbnisplätze anlegen“.4 Das geschah in Autenhausen 1832, nachdem Feist Freund einen Acker „in der Gumpertin“ seiner Gemeinde als Begräbnisplatz geschenkt hatte. 1874 bis 1876 wurde er auf die dreifache Fläche vergrößert und massiv ummauert. 1929/32 wurde die Friedhofsfläche reduziert auf die heutige Fläche von ca. 3.700 m². Samuel Schmuel Sterns Grabstein, der älteste heute lesbare, stammt aus dem Jahr 1835. Die letzte Person wurde 1917 beigesetzt: Seligmann Gutmann. Heute sind 94 Grabsteine und sechs Fragmente bzw. steinerne Strukturen im Boden erhalten.
Der am Wanderweg liegende jüdische Friedhof von Memmelsdorf wurde ebenfalls 1832 angelegt, den Untermerzbacher Begräbnisplatz erwarb die dortige Gemeinde 1841.
4) Cordula Kappner: „Die jüdischen Friedhöfe im Landkreis Hassberge“, 2007.
Der Weg zum Paradies
Die religiöse Vorschrift, Verstorbene binnen 24 Stunden zu beerdigen, war für die Autenhausener Juden eine Herausforderung: Die Wege waren in vorindustrieller Zeit kaum befestigt, für die 22 km zum Eberner „Paradies“ brauchte man zu Fuß oder mit Pferdefuhrwerk mindestens vier bis fünf Stunden und das Ausschachten des Grabes zumal bei gefrorenem Boden bedeutete schwere Handarbeit.
Der „Paradiesweg“ folgt annäherungsweise den Wegen, die die Autenhausener Leichenzüge bis ins frühe 19. Jahrhundert wohl genutzt haben; eine komplette Rekonstruktion ist bislang nicht gelungen. Sicherlich verband der Weg beide Orte möglichst direkt und unter Umgehung von Ortschaften. Für Ebern etwa galt, dass die jüdischen Leichen außerhalb der Stadtgrenze zum Friedhof getragen werden mussten; die Passage der Stadt kostete pro Leiche einen Gulden.4
4) Cordula Kappner: „Die jüdischen Friedhöfe im Landkreis Hassberge“, 2007.
Detailierte Wegbeschreibung
Einleitung
Der abwechslungsreiche Wanderweg folgt meist gut begehbaren Wald- und Wirtschaftswegen mit schönen Ausblicken ins Coburger Land und zum Obermain. Er führt durch lichte Wälder, offene Landschaften mit Feldern, Wiesen und Obstbäumen, an geschützten Landschaftsbereichen und interessanten Orten vorbei.
Highlights
Highlights auf dem Weg von Autenhausen bis Ebern sind der jüdische Friedhof Autenhausen, der alte Steinbruch von Gemünda, das Naturschutzgebiet rund um die Muggenbacher Tongruben mit dem Naturdenkmal Hoher Stein, die Burgruine Lichtenstein, die Felsenburg Rotenhan bei Eyrichshof und am Ziel des Weges der Jüdische Friedhof von Ebern.
Auf dem Weg zurück von Ebern nach Autenhausen sind die Highlights die Altstädte von Ebern und Seßlach, der jüdische Friedhof von Untermerzbach, die Synagoge Memmeldorf , der Christenstein bei Heilgersdorf und der jüdische Friedhof Memmelsdorf.
Einkehrmöglichkeiten
Einkehrmöglichkeiten gibt es in Seßlach, Ebern und in Untermerzbach. Etwas abseits des Weges auch in Heilgersdorf.
Der Hinweg von Autenhausen nach Ebern
Vom Startpunkt aus geht es leicht bergan in südwestliche Richtung. Bereits nach 300m wird der jüdische Friedhof von Autenhausen erreicht. 300m nach dem Friedhof, am Wegweiser mit der Nummer 26 geht es einen Wiesenweg links bergab Richtung Südosten. Im Talgrund biegt man erneut links ab und folgt dem Wirtschaftsweg in nordöstlicher Richtung.
1,25 km nach dem Start, nach einem Aussiedlerhof und einer Streuobstwiese, zweigt ein Weg scharf rechts Richtung Süden ab, dem wir einem Bachlauf entlang bis zum Waldrand folgen. Im Wald führt der Weg zunächst geradeaus bergan.
Bei km 2.1 auf der Anhöhe wird ein Forstweg erreicht. Hier biegt man links ab in südöstliche Richtung. Nach 100m, am Wegweiser mit der Nr. 36, hat man links am Waldrand an einer Ruhebank einen schönen Ausblick ins Coburger Land. Im Wald folgen wir dem Forstweg weiter in südlicher Richtung.
Bei km 2,4 zweigt rechts ein Weg zu einem ca. 100m entfernt liegenden Sandsteinbruch ab. Links an der Schranke vorbei gelangt man in ein wunderschönes Biotop mit einladenden Plätzen zum Verweilen.
Zurück auf dem Forstweg geht es weiter Richtung Süden bis zum Rand des Naturschutzgebietes Muggenbacher Tongruben ( Wegweiser mit der Nr. 63.1 bei km 4,0.
Der Weg führt noch ein Stück Richtung Westen an den Tongruben entlang. Bei km 4,3 am „Libellenstein“ (Wegweiser 63.2) zweigt der Weg links ab Richtung Süden.
Bei Wegweiser 63.3, km 4,6, mündet der Wanderweg in die Gemeindestraße zum Weiler Muggenbach. Der Weg folgt der kaum befahrenen Straße nach links in östlicher Richtung bis zur Einmündung in die Bundesstraße B303, die hier überquert wird (Wegweiser 63.4).
Auf dem Rad- und Wirtschaftsweg, parallel zur B303, geht es nun ca. 800m weit nach rechts Richtung Südwesten.
Am Wegweiser Nr. 63.5, nach 5km Wegstrecke, zweigt der Weg links ab in den Wald. Wir folgen dem Forstweg Richtung Seßlach und passieren die Wegweiser Nr. 72 und Nr. 73 .
Bei km 8,1 an Wegweiser Nr.74 verlassen wir den direkten Weg nach Seßlach und biegen rechts Richtung Rothenberg ab. Am Waldrand wird Wegweiser Nr. 83 passiert und bei km 9,15 an Wegweiser Nr. 84 mündet der Weg am Ortsrand von Rothenberg in die Kreisstraße CO 16. Durch die Ortschaft geht es auf der Hauptstraße weiter Richtung Heilgersdorf.
( Von Rothenberg bis Lichtenstein folgt der Paradiesweg der „Wanderung um den Christenstein“, markiert mit rotem Turmsymbol auf weißem Grund! )
Entlang der Kreisstraße passieren wir die Wegweiser Nr. 85 und 86. Am Wegweiser Nr. 101, bei km 10 biegt nach rechts Richtung Bischwind/ Lichtenstein ein Wirtschaftsweg von der Kreisstraße ab welchem wir folgen. Ab Wegweiser 102 im Wald, ist der Weg teilweise aufgeweicht und schwer begehbar. ( Radfahrern wir empfohlen von Rothenberg bis Bischwind auf der Kreisstraße zu bleiben.)
Immer in südlicher Richtung werden die Wegweiser Nr. 103 bis 106 passiert. An Wegweiser 107 wird bei km 11,8. der Ortsrand von Bischwind erreicht.
Ungefähr die Hälfte des Weges bis zum jüdischen Friedhof nach Ebern ist nun zurückgelegt.
Im Ort, an Friedhof, Kirche und Gemeindehaus vorbei, gehen wir bis zur Kreisstraße CO9, der wir nach rechts Richtung Westen durch den Ort folgen.
Am Ortsende von Bischwind, das noch zum oberfränkischen Seßlach gehört, wird an Wegweiser 108 die Kreisstraße CO9 links Richtung Süden verlassen. Es geht nun durch die Bischwinder Flur über Wirtschaftswege bis zum Wegweiser 109 und dort rechts weiter Richtung Lichtenstein bis zum Wald, in dem der Weg bis hinauf nach Lichtenstein in Unterfranken steil ansteigt. Am Waldrand endet das Wegenetz der Initiative Rodachtal mit den nummerierten Wegweisern.
In Lichtenstein, nach 15,3km Wegstrecke, an der malerischen Burgruine, zweigt der idyllische „Sagenpfad“ ab, dem der Paradiesweg bis zum „Teufelstein“ folgt. Kurz nach dem Teufelstein mündet der Weg in die Kreisstraße HAS 47, der wir nach rechts folgen.
Nach ca. 200m, im Scheitelpunkt einer Rechtskehre, bei km 16,4, verlassen wir die Kreisstraße wieder und biegen links Richtung Osten in einen Forstweg ab. An der ersten Weggabelung gehen wir links bergan. Der Weg mündet in einen kreuzenden Waldweg, dem wir nach rechts Richtung Süden bis zum Waldrand folgen. Hier, nach 17,6km Wegtrecke, erreichen wir einen Aussichtspunkt oberhalb der Ortschaft Buch, von dem man bei schönem Wetter bis nach Vierzehnheiligen und zum Staffelberg blicken kann.
Hier biegen wir rechts ab und folgen fortan bis zum jüdischen Friedhof von Ebern dem „Burgen und Schlösserweg“.
Der Weg führt Richtung Süden am Waldrand entlang, an einer Photovoltaikanlage vorbei. Wenige Meter vor der Ortsverbindungsstraße Kurzewind / Eyrichshof biegt der Wanderweg rechts ab. Wir folgen dem Pfad parallel zur Straße bergab, Richtung Südwesten, bis zur beeindruckenden Burgruine Rotenhan, einer echten Felsenburg, von der es in Deutschland nur wenige gibt.
Nach der Ruine folgt der Weg dann bis zu ersten Rechtskurve ein kurzes Stück der Straße. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite führt der Pfad im Wald hinunter bis zum Ortsrand von Eyrichshof. Hier geht es nach rechts auf einem Schotterweg am Ort entlang . Am Ende der Ortschaft rechts halten! Nach rund 300m geht es nach einer Rechtskurve an der „Pfarrleite“ leicht bergauf, um einen Taleinschnitt zu umgehen, auf dessen gegenüberliegender Seite sich der jüdische Friedhof von Ebern befindet.
Am höchsten Punkt des Weges zweigt rechts ein Pfad ab, der rechts hinunter zu einem Holzsteg führt, auf dem das Bachbett überquert werden kann. Der Pfad mündet nach ca. 100 Metern durch den Wald auf einem Waldweg. Nach wenigen Meten geht es dann rechts bergab zum Eingang des jüdischen Friedhofs.
Vom jüdischen Friedhof aus sind es noch 1,6km bis zum Marktplatz in der Eberner Altstadt. Der Weg führt vom Judenfriedhof bergab bis zur Bahnhofstraße und dann nach rechts bis in die Stadt.
Tipp des Autors für den Hinweg nach Ebern: Muggenbacher Tongruben
Am Wegweiser mit der Nr. 63 zweigt bei km 3,2 rechts ein Weg ab, der am Nordrand der Muggenbacher Tongruben vorbei zum Naturdenkmal „Hoher Stein“ mit vielen interessanten Sandsteinformationen führt.
Vom Hohen Stein aus kann man am Westrand der Muggenbacher Tongruben entlang ebenfalls zu Wegweiser 63.1 gelangen. (ca. 1,5 km längere Wegstrecke ).
Wem der Umweg zu weit ist, kann die Muggenbacher Tongruben auch vom Wegweiser 63.1 aus erkunden: Nach rechts zweigt ein ansteigender Weg ab, der an der Einzäunung der Muggenbacher Tongruben entlang zu einem schönen Rastplatz und zwischen der südlichen „roten Grube“ und der nördlichen „grauen Grube“ führt.
Beide Gruben werden von Ziegen beweidet. Über eine Zaunschleuse gelangst man zu einer Ruhebank mit sehr schönem Ausblick. Von hier aus kann man durch die rote Grube nach Süden zu einer zweiten Zaunschleuse, direkt zum Libellenstein, am Wegweiser 63.2 gehen.
Der Rückweg von Ebern nach Autenhausen
Der Rückweg von Ebern nach Autenhausen:
Wir verlassen Ebern vom „Parkplatz Realschule“ aus Richtung Osten auf dem Gehweg links von der Coburger Straße. Nach 1,2km am Stadtrand in einer leichten Linkskurve überqueren wir die St2278 und biegen rechts in einen Waldweg ab der bergan nach Nordwesten führt. Der Weg durch den Wald ist auch als „Hasenrundweg“ markiert. (springender Hase auf gelben Grund)
Nach 2,2km am Waldrand kommen die Windräder auf dem Bretzenstein in Sicht. Wir gehen geradeaus am Waldrand weiter und biegen bei km 2,5 links auf eine Teerstraße ab. Nach ca. 150m am nächsten Waldrand verlassen wir diese wieder nach rechts Richtung Osten. Ab km 3,2 geht es vom Bretzenstein durch den Wald hinab Richtung Untermerzbach im Itzgrund. Bei km 4,4 mündet der Forstweg in die Straße, die zum Bretzenstein führt. Wir folgen der Straße 100m und biegen dann links ab. Bergan folgt der Paradiesweg nun dem Fahrradweg „Geschichtsweg“. Bei km 6,2 erreichten wir einen Rastplatz wir folgen dem linken Weg und erreichen bei km 5,5 den Judenfriedhof von Untermerzbach.
Ab hier ist der Paradiesweg bis Memmelsdorf deckungsgleich mit dem Geschichtspfad „auf den Spuren jüdischer Geschichte nördlicher Teil“ Von dort bis Seßlach geht es weiter auf dem „fränkischen Bibelweg“ und die letzten acht Kilometer bis Autenhausen folgt der Wanderweg dem WOM „Werra Obermain Radweg“.